It’s fashionmonth

Dieser Herr ist unschlagbar, was die liebevolle Beobachtung aktueller Trends angeht:

Die aktuellen Beobachtungen gibt’s hier

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David Shrigley verrät das Geheimnis eines glücklichen Lebens

mit Hilfe eines Rauten-Pullis*:

“Annoying” (2010)

“My argyle sweater design is titled annoying. the text annoying is written on the label, which permanently sticks up at the back of the neck of the sweater. it is designed to be annoying to those who find such things annoying, and perhaps to be provocative on the part of the wearer of the sweater. the argyle design could also be seen as being slightly annoying, in that it is awkward and asymmetrical. but these things are only annoying if one lets oneself be annoyed by them. the secret of a happy life is to accept these kinds of things as they are.”

mit dem für seine Rautenpullover berühmten Label Pringle of Scotland.

Foto © Pringle of Scotland

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Manchmal glaube ich, mein Alterswerk geschaffen zu haben

von Stephan Brüggenthies

„Der zweite Film ist der schwerste“, so lautet eine Regel in der Filmbranche. Weil man am ersten Film jahrelang arbeitet und feilt, weil man in den ersten Film alles reinsteckt, was einem schon immer durch den Kopf ging. Und dann ist man plötzlich ein Teil der Medienindustrie, und ein zweiter Film soll schnell daherkommen. Eine Aufgabe, an der viele Regisseure scheitern.

Das zweite Werk ist vermutlich auch deshalb das schwerste, weil sich hier die Spreu vom Weizen trennt, die Eintagsfliege vom – im Fall des Romans – kontinuierlich relevanten Autor. Und das weiß man, bevor man ihn schreibt (zumindest, wenn man so alt ist wie ich). Das quält.

Ich hatte vor, meine Hauptfigur Zbigniew Meier auf gleiche Weise zu quälen. Er sollte eine Woche lang durch die Hölle gehen.

Als ich „Der geheimnislose Junge“ schrieb, hatte ich noch nicht an eine Ermittlerreihe gedacht. Insoweit waren alle Figuren für diese eine Geschichte ausgedacht und perfektioniert – insbesondere Lena (wer das Buch gelesen hat, weiß warum). Die Idee, die Geschichte fortzuspinnen, stand dennoch bereits vor Erscheinen des Werks zur Diskussion, daher hatte ich genügend Zeit, Ideen für eine Fortführung zu sammeln..

Für mich als Fernsehserienjunkie (Lost, West Wing, The Wire und viele mehr) stellte es sich als eine positive Herausforderung heraus, alles stringent und konsistent weiterzuführen. Nicht nur Zbigniew, auch Kollege und Kontrahent Zeynel musste eine Rolle spielen – ebenso wie Tonia, die Mutter des letzten Opfers, zu der Zbigniew sich so hingezogen fühlte, und natürlich Lena. Ich hatte dabei aber das Ziel, die Karten grundlegend neu zu mischen und nicht, wie so häufig in Krimireihen, mich auf „eingespielte Verhältnisse“ zu verlassen.

Weil das nicht unserer heutigen Zeit entsprechen würde. Der Mensch lebt nicht so konstant wie Ballauf und Schenk, und der (von mir sehr geliebte) Maigret existiert auch nicht mehr.

Was passiert nach einem Fall wie dem, den Zbigniew und Zeynel im „geheimnislosen Jungen“ lösen? Ein unglaublicher Pressewirbel. Zbigniew würde im Rampenlicht stehen. Aber er würde auch am Ende sein – physisch, psychisch. Er würde in Reha und zu einem Psychologen gehen müssen, um seinen Polizeidienst überhaupt fortführen zu können. Er würde aber auch belobigt werden. Und da hatte ich meine neue Grundkonstellation: Zbigniew lehnt jegliche Veränderung ab, schließlich ist er ein Zögerer vor dem Herrn, der ehrgeizige Zeynel hingegen rückt als Kommissar ins Präsidium auf. Ein neues Konfliktfeld zwischen den beiden spannt sich auf. Tonia, sie müsste Zbigniew noch viel stärker in erotische Bedrängnis bringen als im ersten Fall. … Und Lena, ihre Beziehung zu Zbigniew müsste eine völlig neue Dimension erhalten.

Von den Figuren ausgehend, fing ich an, meine inhaltlichen Ideen neu zu strukturieren. Dabei war mir eine Prämisse wichtig: Zbigniew Meier darf keine „normale“ Ermittlerreihe werden mit Fällen, die in Köln im Präsidium beginnen und polizeilich gelöst werden. Es muss alles anders sein, als man erwartet. Und es muss – mit zunehmendem Alter packt mich immer mehr die Ungeduld – alles noch viel temporeicher werden als vorher. Ohne an Substanz zu verlieren.

Ich habe sehr lange am Inhalt der „toten Schwester“ gepuzzelt, bis ich mit dem Schreiben anfing. Eine unglaublich große Anzahl an Recherchen war notwendig, bei denen ich begriff, dass alles anders sein würde, als ich zunächst gedacht hatte. Der neue Roman geht ins Dritte Reich und in die jüdische Kultur hinein, ebenso wie in polizeiliche Abläufe bei einem Entführungsfall und in die Kunstwelt. Bald hatte mich eine morbide Faszination für einzelne Details gepackt. Aber wie konnte dies alles zusammenpassen? Mir schauderte selbst vor einigen Ideen, die ich hatte.

Der Schreibvorgang selbst, er ist lästig, aber er ist leider auch notwendig – nicht nur, weil ansonsten niemand das Werk lesen könnte, sondern auch, weil sich währenddessen dann doch noch manche Zusammenhänge anders festzurren, als man ursprünglich geplant hatte. Weil einem durch die tiefe Beschäftigung mit dem Material noch bessere Ideen kommen. Die dann wieder neue Recherchen nach sich ziehen.

Und dann ist das Werk abgegeben, und man glaubt, dass dieses Buch in all seiner Konstruktion und Tiefe einem Alterswerk entspricht und dass man nie wieder in der Lage sein wird, etwas derartiges noch einmal zu schreiben.

Oder es kommen Zweifel auf: Hat man völligen Unsinn geschrieben, der sich mit der ersten Kritik in Schall und Rauch auflösen wird?

Die Woche vor Erscheinen des Buches ist jedenfalls psychologisch eine sehr seltsame Zeit. Wann wird die erste Rezension erscheinen? Wird sie zunichte machen, woran man anderthalb Jahre lang gearbeitet hat? Werde ich jemals wieder ein Buch schreiben? Werde ich auf die schwarzen Listen der jüdischen Kulturverbände kommen? Wird mein Werk überhaupt wahrgenommen werden? Werde ich Hausverbot in meiner Lieblingsbuchhandlung bekommen?

Wenn es ein nächstes Werk geben sollte, wird es einfacher. Das schwöre ich mir.
Andererseits habe ich da schon wieder so eine komplizierte Idee, die mit Zbigniews Vater zu tun hat …

Stephan Brüggenthies’ neuer Kriminalroman Die tote Schwester erscheint dieser Tage. Auch in diesem Roman spielt der Kölner Kommissar Zbigniew Meier die Hauptrolle – wie schon in Brüggenthies’ hochgelobtem Krimidebüt Der geheimnislose Junge.

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»They always say time changes things,

but you actually have to change them yourself.«
Andy Warhol

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Epitome of Cool

Ich wollte schon für den Eichventskalender unbedingt einen Dylan-Song (You’re gonna make me lonesome when you go), denn – auch wenn er nicht unbedingt dafür bekannt ist – er schreibt die besten Liebeslieder. Aber auf Youtube wurde ja ordentlich aufgeräumt und die einzigen Dylan-Videos gibt’s auf bobdylan.com, und da ist nur eins meiner Lieblingslieder dabei, kein Liebeslied.
Gestern abend kam mir irgendwie die Ballad of a Thin Man in den Sinn, und beim Googeln stieß ich auf diese Perle, einen Mitschnitt von der World Tour 1966. Nur das Ende fehlt – okay, kein ganz unwesentlicher Verlust. Aber der coolste Dylan aller Zeiten in der coolsten aller Zeiten, der gegen die Empörung seiner Fans über seine »Kommerzialisierung« durch E-Gitarre und Band, ansingt.







Wenn das nicht Ausdruck ist, weiß ich auch nicht.
Den Text gibt’s übrigens hier.
Und die Frage, was Coolsein eigentlich heißt und wozu es gut ist, wird uns, wenn Katja Kullmanns »Echtleben« erscheint, wohl noch beschäftigen.

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Spendenaktionen für die sogenannte “Dritte Welt”

Wir Einmaligen“ – Thema heute: Engagierte Hilfs- und Spendenaktionen für die sogenannte “Dritte Welt”

von Oliver Errichiello und Arnd Zschiesche

Der einmalige Mensch ist aus Prinzip ein guter Mensch. Aus diesem Grund besitzt er eine MISEREOR-Projektpartnerschaft, eine SOS-Kinderpatenschaft, der finanzielle Beitrag an Greenpeace wird automatisch jeden Monat vom Konto abgebucht. Bei Katastrophen in der Welt wird im Rahmen von TV-Spendengalas (mit oder ohne „Charity-Lady“ Dr. h.c. Ute Ohoven) konsequent Geld an gemeinnützige Institutionen überwiesen. Unabhängig davon, wie umfassend eine Katastrophe medial ausgeschlachtet wird, so können sich auch bei der besten Betreuung durch westliche PR-Profis kleine Fehler im Detail einschleichen:

Dieses Foto entstand innerhalb einer umfangreichen Hilfsaktion für Menschen in Gebieten, die besonders durch den Tsunami betroffen waren. Im Rahmen des Projekts erhielten 200 glückliche wie fröhliche Kinder nagelneue Fahrräder. Das offizielle Übergabefoto stellte sich im Nachhinein jedoch als nicht geeignet heraus: Finden Sie den Fehler auf diesem Bild und gewinnen Sie eines von drei Exemplaren von Wir Einmaligen. Schicken Sie einfach eine Mail mit der Lösung an d.pleimling[@]eichborn.de. (Edit, 1. Februar 2011: Das Gewinnspiel ist beendet und die Gewinner benachrichtigt – vielen Dank für’s Mitmachen!)

Arnd Zschiesche und Oliver Errichiello sind die Autoren von Wir Einmaligen.

Link: Die bekannte Schweizer Journalistin Cornelia Kazis hat im Schweizer Radio DRS ein umfangreiches Interview mit den Autoren geführt und mit der Musik von Yello unterlegt: http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/kontext/5005.sh10162818.html

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“Wir Einmaligen” goes Italy

Das ist ja mal so richtig multikulti: “Wir Einmaligen” wurden auf dem schön anzusehenden italienischen Blog Polkadot vorgestellt – auf englisch und mit eingebundenem französischen ARTE-Video. Très cool!

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Heute kommt die Weihnachtsdeko weg

Dieses Foto ist nicht arrangiert.

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Elmore Leonard – Road Dogs

von Karsten Kredel, Programmleiter Literatur

Bevor ich Lektor wurde, war ich Übersetzer. Und ich hatte einen Traum, so wie vermutlich jeder Freizeitläufer davon träumt, einmal am New-York-Marathon teilzunehmen: einmal Elmore Leonard übersetzen! Einmal seinen großartigen Charakteren, jenen coolen, moralisch ambivalenten Figuren, die in ihrem listigen Eigennutz eigentlich moderne Folk-Helden sind, eine deutsche Stimme geben. Ich war frustriert von den Übersetzungen, die es gab – nicht allen, aber den meisten: Sie klangen, als wäre es unvermeidlich, vor Leonards lakonisch-lässigem Rhythmus zu kapitulieren, als wäre die deutsche Sprache ohnehin viel zu steif, um tanzen zu können. Stattdessen wurde tief in die Mottenkiste des Ganovenjargons gegriffen; Schillerndes wurde deprimierend eindeutig, Komik verkam zur Zote. Es musste doch, schickte ich ein Stoßgebet an Hermes, den heimlichen Schutzgott der Übersetzer (der als eigensinniger Grenzgänger selbst eine Figur von Leonard sein könnte, würde der sich je des olympischen Hustle & Bustle annehmen) – es musste doch auch anders gehen!

Mein Traum hat sich nicht erfüllt.

Aber erhört wurde ich trotzdem.

Kurz nachdem ich zu Eichborn kam, hörte ich, dass für Elmore Leonard ein neuer deutscher Verlag gesucht wurde. Der Roman, um den es ging, Road Dogs, war gerade fertig geworden. Ich las und war begeistert: ein klassischer Elmore Leonard!

Dazu muss man sagen: Ein neues Buch von Elmore Leonard ist für seine Fans wie ein Brot beim Lieblingsbäcker oder ein maßgeschneiderter Anzug von der Savile Row oder eine Platte, die Rick Rubin produziert hat – perfektes Handwerk mit der genau richtigen Dosis Genie. Ein klassischer Elmore Leonard ist ein Markenprodukt: Man kriegt exakt das, was man erwartet, und zwar auf höchstem Niveau. Scharf konturierte Figuren, exzentrisch und bodenständig zugleich, kurze Kapitel, wenige Beschreibungen, dafür jede Menge großartige Dialoge und eine Handlung, die mit immer neuen Überraschungen aufwartet, ohne in die atemlose Hysterie eines Hochglanzthrillers zu verfallen. Vor allem aber: Es gibt keine Effekthascherei bei Elmore Leonard, dafür etwas, das im Krimigenre selten geworden ist: Seele. Soul. Das war es, was Quentin Tarantino so sehr anzog, dass er nicht nur einen Roman – Rum Punch – als Jackie Brown verfilmte, sondern beinahe sein gesamte Frühwerk von der Atmosphäre und den Milieus des Leonard’schen Werkes einfärben ließ. Überhaupt, Leonard und das Kino: Hollywood liebt ihn, bereits 21 Filme wurden auf Grundlage seiner Romane gedreht.

Einer davon ist Steven Soderberghs Out of Sight, und wer sich an die Figur von George Clooney erinnert – der Gentleman-Bankräuber Jack Foley, der bei der Flucht eine Vollzugsbeamtin, gespielt von Jennifer Lopez, entführt, um dann mit ihr im Bett zu landen, bis sie ihn am Ende anschießt und wieder im Knast abliefert –, der kennt schon eine der Hauptfiguren von Road Dogs: Foley ist mittlerweile im Gefängnis, wo er sich mit einem schwerreichen kubanischen Gangster namens Cundo Rey anfreundet. Und Freunde kann er gut brauchen, seine Aussichten stehen nicht zum Besten: Foley hat dreißig Jahre Knast vor sich. Jedenfalls bis Cundo ihm zeigt, was ein richterliches Urteil wert ist, wenn man die richtigen Leute kennt. Er besorgt ihm eine smarte Anwältin, die sich gut mit juristischen Schlupflöchern auskennt, und etwas später sind aus dreißig Jahren dreißig Monate geworden, von denen Foley die meisten schon abgesessen hat. Selbstverständlich hat der Gefallen einen Preis: Foley ist ein freier Mann, aber er schuldet Cundo etwas, wie viel und was genau, wird sich später herausstellen. Erstmal lernt er Cundos Frau kennen, die ungemein attraktive Dawn Navarro, die im sonnigen Kalifornien auf eine Gelegenheit wartet, ihren wohlhabenen Gatten auf seinem eigenen Terrain zu schlagen: dem höchst einträglichen Betrug. Foley und Dawn verstehen sich gut, allzu gut – im Bett sind sie schon Partner, und Dawn hätte nichts dagegen, die Komplizenschaft aufs Geschäftliche auszuweiten. Doch Foley, der ehrenwerte Bankräuber, gehört zur alten Schule: Cundo und er sind Knastkumpel, das verbindet. Und kann er sich sicher sein, dass ihn Dawn nicht nur benutzt?

Road Dogs ist gerade in Deutschland erschienen, und ich bin guter Hoffnung, dass Elmore Leonard endlich auch hier den Status erhalten wird, den er in den USA längst hat. Dort ist er ein moderner Klassiker, seine Bücher – 46 sind es mittlerweile – sind Bestseller, zu seinen Fans zählen große Kollegen wie Stephen King oder etwa Dennis Lehane, der zu Protokoll gab: »Road Dogs ist fantastisch, und Elmore Leonard spielt in seiner eigenen Liga. Alles wirkt so mühelos bei ihm, dass ich ihn, wäre er nicht der größte Krimiautor aller Zeiten, eigentlich hassen müsste. So aber ziehe ich einfach meinen Hut.« Und wo wir gerade dabei sind, die New York Times schrieb: »Foleys Grips, Cundos Machismo und Dawns Schamlosigkeit machen Road Dogs zu einer von Leonards köstlichsten hinterhältigen Geschichten. Er schreibt noch immer mit großem Stil, Schwung, unerschütterlicher Lässigkeit und einer alles überragenden Liebe zum Metier.«

Mühelosigkeit, Stil, unerschütterliche Lässigkeit – wie klingt das denn nun alles in der Übersetzung? Die Antwort lautet: Conny Lösch und Kirsten Riesselmann haben so übersetzt, dass man denken könnte, in Venice Beach wurde nie etwas anderes als Deutsch gesprochen. Leonards Charaktere beherrschen ab sofort eine Sprache mehr.

Zeit wird es. Elmore Leonard ist im Oktober 85 Jahre alt geworden, doch Road Dogs ist so frisch und grandios wie alles, was der Mann anfasst. Und damit: Frohe Weihnachten und ein großartiges Jahr 2011! Im September kommt schon der nächste Leonard …

Und hier die Leseprobe:

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